Verfasst von: alexstengelin | 12. März 2009

Was mich gestern erschrocken hat!

Gestern war also dieser Amoklauf – schrecklich, traurig, erschütternd. Ich habe das ganze eigentlich ausschließlich über Twitter und die dort kommunizierten Online-Artikel mitbekommen. Es gab praktisch jede Minute neue Meldungen, man war fast irgendwie live dabei, bis das ganze auf einem Parkplatz ein Ende fand. Ich war perfekt informiert, wußte wie viele Tote, welchen Geschlechts, in welcher Abfolge und hatte auch immer wieder Bilder vom Ort des Geschehens gesehen.

Am Abend kommt dann meine Freundin zu mir und sie war immernoch ganz aufgewühlt und geschockt. Klar, war ja Amoklauf. Aber ich hab gar nicht verstanden, warum sie das jetzt so mitgenommen hat. Da hat sie mir erzählt was und wie sie das mitbekommen hat. Nämlich im Fernsehen, mit bewegten und bewegenden Bildern, mit weinenden Eltern, Mitschülern, Lehrern. Das ganze wohl noch mit erschüternden Worten von Journalisten unterlegt.

Da habe ich gemerkt, dass mich das alles nicht so beeindruckt hat. Erst durch die Worte meiner Freundin habe ich die Tragweite erkannt. Ich hatte eine Zahl im Kopf, wie sie mir hundertfach über den Monitor getwittertt wurde – 16 Tote. Ja, 16 Menschen sind dort in und um Winnenden gestorben. Eine Zahl die mir zwar bewußt war, aber nicht welche Tragweite sie hat. Das sind nicht nur 16 Tote. Das sind 16 Schüler, Passanten, Unbeteiligte – sind Töchter, Mütter, Söhne, Freunde von vielen anderen Menschen – trauernden Menschen. Diese sieht man im Fernsehen, diese geben der blosen Zahl ein Gesicht, ein Gefühl – Mitgefühl.

Mitgefühl, welches ich aufgrund meiner Verfolgung der Ereignisse über das Web nicht mitbekommen, nicht erfahren, erfühlt habe. Und ich möchte sowas erfühlen. Ich möchte nicht sagen „Oh, 16 Tote oder sind es jetzt doch 17 … na und!“ Klar sterben jeden Tag unglaublich viele Menschen und klar kann man nicht jeden betrauern, als wäre es die eigene Mutter wäre, aber es gibt ja noch was zwischen Gleichgültigkeit und zerschmeternder Trauer – Betroffenheit und Mitgefühl. Ich habe dieses mitterweile, aber die „Neuen Medien“ konnten mir das nicht vermitteln. Sind hier die Grenzen des Internets?

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